Schulen wünschen sich mehr Unterstützung bei der Digitalisierung

November 8, 2019
  • Im Vorfeld der ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ hat der WDR eine Umfrage unter Schulleitungen über ihre Zufriedenheit mit der schulischen IT-Ausstattung durchgeführt.
  • Das Ergebnis ist ernüchternd: Viele Schulleitungen wünschen sich besseres WLAN und Unterstützung bei der Wartung und Pflege der Technik

An fast jeder zweiten Schule in Deutschland kümmert sich derzeit eine Lehrerin oder ein Lehrer um die Wartung und den Support der IT-Ausstattung. Viele dieser schulinternen Systembetreuerinnen und Systembetreuer machen diesen Job häufig noch on top, beheben technische Probleme in der großen Pause oder setzen Computer nach Unterrichtsschluss in ihrer Freizeit neu auf.

Geht es nach den Schulleitungen im Land, soll damit demnächst Schluss sein. Viele Schulleiterinnen und Schulleiter wollen ihre Lehrkräfte von dieser Last befreien und fordern mehr professionelle Unterstützung bei der Pflege und Wartung der Technik. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Schulumfrage des WDR im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“.

Von Befriedigend bis Ausreichend

Insgesamt befragte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) deutschlandweit über 5000 Schulleitungen. Diese sollten Noten vergeben, wie gut ihre Schulen mit WLAN, Tablets und interaktiven Tafeln versorgt sind. Auch die Qualifizierung ihrer Lehrkräfte sollten die Schulleiterinnen und Schulleiter mit einer Schulnote bewerten.

Das Resultat ist ernüchternd. Zwar sind die meisten Schulen mit ihrem derzeitigen Computerbestand (Note 2,9) noch einigermaßen zufrieden, bei der übrigen Ausstattung wie WLAN (Note 3,6), interaktiven Tafeln wie White- oder Smartboards (Note 4) und bei der Versorgung mit Tablets (Note 4,5) herrscht allerdings dringend Handlungsbedarf. Diesen sehen auch die Schülerinnen und Schüler, die in einer weit kleineren Parallelbefragung die IT-Ausstattung ihrer Schulen selbst noch viel schlechter bewerten.

Unterschiedliche Ausgangssituationen an den Schulen

Neben der Vergabe der Noten haben sich auch rund 80% der Schulleitungen zu ihren Wünschen für die Digitalisierung ihrer Schulen geäußert, welche in diesem Jahr durch die Verabschiedung des „DigitalPakt Schule“ in aller Munde ist. Dabei fällt auf: Die Ausgangssituation an den Schulen könnte unterschiedlicher nicht sein.

Manche Schulleitungen schieben regelrecht Frust, da die Ablösung ihrer in die Jahre gekommenen Computer nach wie vor auf sich warten lässt und sich auch in Punkto Präsentationstechnik nichts tut.  Im Vergleich dazu herrscht an anderen Schulen regelrechte Aufbruchsstimmung. Sind Dokumentenkameras, Beamer oder Smartboards erst einmal installiert und das Kollegium für den Unterricht mit digitalen Medien umfassend geschult, eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung.

Sorge um die Gewährleistung von Wartung und Support

Solche Lobeshymnen hören die Sachaufwandsträger der Schulen natürlich gerne. Schließlich ist es ihr oberstes Bestreben, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Doch eine Sorge teilen sich alle Kommunen, Landkreise und freien Träger mit ihren Schulleitungen – nämlich, dass die Investitionen in die digitale Unterrichtstechnik auch nachhaltig sind. Denn diese Lücke schließt selbst der DigitalPakt nicht. Zwar fordert er ein verbindliches Konzept für die Wartung und den Support der digitalen Unterrichtstechnik, die laufenden Kosten hierfür und für das Personal übernimmt er jedoch nicht.

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass sich an fast 60% der befragten Schulen eine Lehrerin bzw.  ein Lehrer oder der Hausmeister um die Wartung und Instandsetzung der Geräte und Netzwerkinfrastruktur kümmert. Die Forderung nach einem Ende dieses Zustandes ist deswegen absolut nachvollziehbar und berechtigt.  Aber dazu müsste die Politik erst einmal erkennen, was diese Lehrerinnen und Lehrer neben ihrem Unterricht leisten, um die Digitalisierung an ihrer Schule voranzubringen.